Stolz auf die Berufsausbildung des eigenen Kindes?

Die duale berufliche Ausbildung schreibt viele Erfolgsgeschichten. Wir haben einige davon zusammengestellt, die von zufriedenen Kindern und stolzen Eltern handeln. Von der Konditorin über den Fachinformatiker und die Marketingfachfrau bis hin zum Stahl- und Betonbauer – stöbern Sie durch unsere Reportagen über junge Menschen, die sich für eine duale berufliche Ausbildung in Bayern entschieden haben. Begegnen Sie dabei auch ihren Müttern und Vätern, die davon erzählen, wie es dazu kam und warum sie der Karriereweg ihres Kindes so stolz macht. 

Konditor-Ausbildung

Naschen gehört zum Handwerk

Laura Schönberger lernte erst Industriekauffrau, dann Konditorin. Backen und Betriebswirtschaft bringt sie heute in ihrer eigenen Pâtisserie erfolgreich zusammen.

Regensburg – Dreistöckige Hochzeitstorten, Petit Fours und Croissants für den Festtagsbrunch, Cupcakes für den Junggesellinnen-Abschied: Wenn sich bei der Konditormeisterin Laura Schönberger die Aufträge stapeln, ruft sie schon mal ihre Mutter an. Meist dauert es nicht lange und Marielle Bremer steht in der hellen und freundlichen Bestellpâtisserie ihrer Tochter, um zu helfen. Beim Einpacken, Koordinieren, Aufräumen – wie das Mütter eben machen, wenn ihre Kinder sie brauchen. Manchmal kommt es allerdings vor, dass Laura ihr dabei liebevoll auf die Finger klopft: „Dann muss ich mit Mama schimpfen, weil sie zu viel von meinen süßen Sachen nascht“, schmunzelt Laura Schönberger.

Seit Dezember 2016 betreibt die 25-Jährige in einer kleinen Gasse in der Regensburger Altstadt die Pâtisserie „Heavens Taste“. Ein Ladenlokal mit Theke braucht sie nicht, ihre süßen Köstlichkeiten fertigt sie ausschließlich auf Bestellung an. „Wer bei mir einkauft, gönnt sich etwas Besonderes“, sagt sie. Es hat sich in Regensburg schnell herumgesprochen, dass Laura Schönbergers Kreationen nicht nur fantastisch schmecken, sondern individuell, modern und mit viel Liebe gemacht werden. Das Geschäft läuft und darüber ist Laura Schönberger natürlich sehr glücklich. Denn einfach fiel ihr 2013 die Entscheidung nicht, ihre Leidenschaft fürs Backen zum Beruf zu machen. Vorher hatte sie bereits eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert und arbeitete im Vertrieb des Senf-Herstellers Händlmaier.

Umschulung zur Konditorin: Von klein auf mit Mama in der Küche

Der Wunsch nach der Umschulung zur Konditorin entstand erst, als Laura während ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau an einem Gründungsspiel teilgenommen und einen fiktiven Cupcake-Laden aufgebaut hatte. „Danach hat sie nur noch gebacken und Rezeptbücher studiert“, erinnert sich Mutter Marielle, die selbst zur Steuerfachgehilfin ausgebildet ist und einen Bauernhof führt. Dass sie dafür noch einmal eine Konditor-Ausbildung absolvieren muss, stand für Laura außer Frage. „Wenn ich etwas mache, dann richtig“, sagt sie. Sie bewarb sich bei der renommierten Regensburger Konditorei „Opera“ – und bekam die Chance. Dort lernte sie, wie man mehrstöckige Torten baut, Törtchen kunstvoll dekoriert und die Maschinen bedient und reinigt. Danach machte sie ein Praktikum als Pâtissière im „Storstad“, dem einzigen Ein-Sterne-Restaurant in Regensburg, und besuchte einen Meisterkurs in Straubing. Für die Prüfung, die sie mit Bravour bestand, backte sie unter anderem einen Kuchen mit Hokkaido-Mousse, geraspelten, gerösteten Kürbiskernen und Schokolade. Er gehört heute zu ihren Spezialitäten.

Ausbildung in der Marketingkommunikation

Mit Fantasie und Finanzverstand

Als Marketingkauffrau kann Sofie Echle ihre Kreativität ausleben. Dass sie in ihrer Ausbildung in der Marketingkommunikation früh Verantwortung übernommen hat, macht ihre Mutter Monika Bauer-Echle stolz.

Aschaffenburg – Als Sofie Echle kurz vor ihrem Abitur stand, machte sie ein Praktikum in einem Autohaus. Das war 2014. Die junge Frau, die sich schon immer für Autos begeistert hat, spielte damals mit dem Gedanken, sich für eine Ausbildung zur Automobilkauffrau zu bewerben. An den letzten beiden Tagen schnupperte sie bei der Marketingabteilung hinein, nahm an einem Brainstorming-Meeting teil und schrieb einen Kunden-Newsletter über ein neues Modell. „Als sie abends heimkam, war sie hin und weg. Da habe ich mir schon gedacht, dass das etwas sein könnte“, sagt ihre Mutter Monika Bauer-Echle. Im September 2014 fing Sofie Echle eine dreijährige Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation bei der Aschaffenburger Versorgungs-GmbH an. Früher nannte sich dieser Beruf „Werbekaufmann und Werbekauffrau“. Heute ist er breiter aufgestellt und umfasst neben klassischen Werbemaßnahmen wie Zeitschriftenanzeigen oder Radiospots auch Unternehmenskommunikation, Public Relations, Social-Media- oder Event-Marketing. Das Thema Geld steht ebenfalls auf dem Lehrplan, schließlich muss man die Kampagnen ordentlich kalkulieren. „Dadurch habe ich auch eine solide kaufmännische Ausbildung, die kann man immer gut gebrauchen“, sagt die 23-Jährige.

Beruflich gewachsen – und persönlich gereift

Monika Bauer-Echle ist stolz, dass ihre Tochter in ihrer Ausbildung im Bereich Marketingkommunikation früh gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen. „Wenn Sofie einmal einen schweren Tag hatte, war ich natürlich für sie da. Aber ansonsten ist sie ihren Weg alleine gegangen“, sagt die 54-Jährige, die als Ausbildungsleiterin der örtlichen Raiffeisenbank tätig ist und immer wieder erlebt, wie sich junge Leute während ihrer Ausbildung weiterentwickeln. Gemeinsam beteiligen sich die beiden an der Kampagne „Ausbildung macht Elternstolz“, mit der das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und die bayerischen Handwerkskammern (HWK) sowohl Jugendliche als auch deren Eltern von den Chancen einer Handwerkslehre oder Ausbildung überzeugen wollen.

Mit Praktika zum richtigen Job

Monika Bauer-Echle hat bewusst vermieden, ihrer Tochter bei der Berufssuche hineinzureden. Sie sollte selbst entdecken, was ihr Spaß macht. „Deswegen habe ich ihr immer wieder geraten, Praktika zu machen, wenn sie ein Bereich interessiert hat“, sagt die Mutter. Insgesamt absolvierte Sofie Echle neun davon, unter anderem bei der Polizei, im Kindergarten und schließlich auch im Autohaus. Danach stand ihr Berufswunsch fest: Sie wollte entweder Veranstaltungskauffrau oder Kauffrau für Marketingkommunikation werden. Eigenständig und ohne Hilfe ihrer Mutter bewarb sie sich bei drei Firmen und bekam von der Aschaffenburger Versorgungs-GmbH, einem Teil der Stadtwerke, die Zusage. Im ersten Jahr lernte Sofie die Abläufe kennen, gestaltete Flyer und schrieb Texte für die Kundenzeitschrift. Ihre Mutter Monika freute sich, als sie den Namen ihrer Tochter zufällig im Impressum entdeckte. Schon ab dem zweiten Jahr organisierte Sofie mit erfahrenen Kollegen Kampagnen und Marketing-Events. Unter anderem half sie, eine Eislauf-Disko in der Eishalle und das „Dirndl-Springen“ zu organisieren, einen Wettbewerb, bei dem junge Frauen, aber auch Männer im Dirndl in ein Schwimmbecken hüpften und der die Aschaffenburger ins Freibad locken sollte. Für ihre Projekte entwickelte sie Konzepte, plante das Budget und stellte ihre Arbeit dem gesamten Marketingteam vor. Sie betreute Videodrehs für Kinowerbung und besprach mit Agenturen die Gestaltung von Plakaten. „Mal habe ich mit der Tageszeitung über Anzeigenpreise telefoniert, dann unseren Messestand betreut oder eine Broschüre über Holzpellets getextet“, erinnert sie sich. Im August 2017 hat sie ihre Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation erfolgreich abgeschlossen – und ist nach wie vor komplett davon überzeugt, das Richtige gefunden zu haben. „Diese Mischung aus Kreativität und Kontakt mit Leuten, die liegt mir einfach sehr.“ Vor allem die Vielfalt der Werbemaßnahmen und der Aufgaben gefällt ihr. „Ich bin kein Mensch, der den ganzen Tag das Gleiche tun kann“, sagt sie.

Ausbildung zum Fluggerätmechaniker

In Papas grossen Fussstapfen

Vater und Sohn Leichtmann vereinen als Fluggerätmechaniker Leidenschaft mit größter Präzision. Der 17-jährige Markus macht eine Ausbildung zum Fluggerätmechaniker in dem Münchner Unternehmen, in dem Josef bereits seit 1975 arbeitet.

Sein Vater, wie er in Arbeitskleidung vor einer Flugzeugturbine steht: Mit diesem Bild ist Markus Leichtmann aufgewachsen. Denn Vater Josef Leichtmann ist nicht nur Angestellter bei der Münchner MTU Aero Engines, die Triebwerke für Flugzeuge sowie Industrie-Gasturbinen baut, sondern stand auch schon das ein oder andere Mal Fotomodell für die Firmen-Prospekte. 1975 hat der 57-Jährige hier seine Lehre als Fluggerätmechaniker angefangen und der Firma seitdem die Treue gehalten. Heute lernt mit Markus schon sein zweiter Sohn bei MTU. Als inspirierendes Beispiel sind Vater und Sohn deshalb Teil der Imagekampagne „Ausbildung macht Elternstolz“, mit der das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und die bayerischen Handwerkskammern (HWK) Jugendliche und deren Eltern von den Vorteilen einer Lehre oder Ausbildung überzeugen wollen.

Von klein auf fasziniert von Flugzeugtechnik

Schon in der Kindheit hat sich der Beruf des Vaters in Markus’ Kopf verankert: Dank Papas Arbeit können Menschen fliegen. Dass so ein tonnenschwerer Metallvogel abheben kann, ist schon für Erwachsene ein Wunder. Für einen kleinen Jungen ist das die Arbeit eines Helden. Flugzeuge waren im Hause Leichtmann allgegenwärtig. „Mein Vater hat mich und meinen Bruder immer mit auf den Modellflugplatz genommen“, erinnert sich der 17-Jährige. Dort und am Abendbrottisch wurde schon damals ausgiebig über technische Neuigkeiten, wie neue ultraleise Turbinen, gefachsimpelt. „Die Triebwerkstechnik“, erklärt Josef Leichtmann und schaut seinen jetzt so großen Sohn liebevoll an, „ist etwas, mit dem man sich ein Leben lang beschäftigen kann.“ Markus nickt mit leuchtenden Augen. „Weil es ständig technische Neuerungen gibt, wird es nie langweilig.“
Deshalb ist es eigentlich kein Wunder, dass Markus als 14-Jähriger mit einem festen Entschluss von seinem Schulpraktikum zurückkam: „Ich mach das auch.“ Josef kann sich an diesen Moment sehr genau erinnern. „Ich fand diese Entschlossenheit bei einem so jungen Burschen bewundernswert.“ Zumal die Inhalte der Lehre anspruchsvoll sind: Neben einer Affinität zu Technik ist räumliches Vorstellungsvermögen gefragt. Wichtig sind auch gute Noten in Mathematik, Physik und Englisch, weil die Handbücher auf Englisch geschrieben werden. Die vielseitige, hochtechnologische Ausbildung zum Fluggerätmechaniker, bei der man sich auf die Fachrichtung Triebwerkstechnik spezialisiert, dauert drei Jahre. Mit einem ergänzenden Ingenieurstudium nach der Ausbildung, kann man sich sogar der Luft- und Raumfahrttechnik zuwenden. Das könnte sich Markus später gut vorstellen. Aber auch ohne Studium gibt es spannende Weiterbildungsmöglichkeiten, zum Beispiel die zum Techniker und später zum Meister. Mit einer Lizenz der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) kann man sogar Karriere im europäischen Ausland machen.

Ein Beruf mit viel Verantwortung

Im Moment aber bleibt er den Triebwerken treu. Die kennt er schließlich schon von Kindesbeinen an. Nicht nur aus diesem Grund hat er seinen Entschluss noch nie bereut. „Mir gefällt, wie viel Verantwortung man in diesem Beruf trägt“, sagt er. „Sicherheit steht an erster Stelle.“ Und das lernen er und seine 35 Azubi-Kollegen schon in der Lehrwerkstatt. Wenn auch nur eine Schraube fehlt, wird das Triebwerk so lange wieder auseinandergebaut, bis das Vermisste wieder auftaucht. Verantwortungsbewusstsein und Konzentration sind ein zentrales Thema in diesem Beruf. Denn von der Arbeit der Techniker am Boden hängen in der Luft Menschenleben ab.
„Die Verantwortung“, das hat Josef in seinen langen Jahren als Co-Ausbilder beobachtet, „ist etwas, das die Menschen in diesem Beruf prägt. Dass nun auch mein Jüngerer diesen Weg geht, macht mich stolz.“ Bei seinen Worten macht sich ein Lächeln auf Markus’ Gesicht breit. Er überragt seinen Vater schon jetzt um mehr als einen Kopf – aber sein Held ist Josef Leichtmann bis heute.

Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker

Die Traktorenflüsterin

Simone Mühlberger ist Landmaschinenmechatronikerin und repariert Kettensägen und Erntemaschinen für Heu. Ihre Leidenschaft für diesen Männerberuf verdankt sie ihrem Vater Thomas, der sie auch ausgebildet hat.

Frauenau – Als Simone Mühlberger zehn Jahre alt war, half sie ihrem Vater, einen Traktor wieder in Gang zu bringen. Gemeinsam mit ihrem Vater bediente sie einen Kran, mit dem sie die Fahrerkabine nach oben hoben, unter der sich der Motor mit dem kaputten Getriebe befand. Während sie auf die Bedienungsknöpfe drückte, sagte sie ihm in breitem Niederbayerisch: „Papa, wenn ich groß bin, werde ich Mechaniker wie du.“ Thomas Mühlberger schmunzelte und schaute seine Tochter stolz an. „Natürlich hat mich ihre Begeisterung gefreut“, erinnert sich der 54-Jährige. „Aber sie war noch klein. Ernst genommen habe ich ihren Wunsch damals nicht.“
Simone Mühlberger meinte es ernst. Mittlerweile ist sie ausgebildete Land- und Baumaschinenmechatronikerin mit Meisterbrief. Die 27-Jährige arbeitet mit ihrem Vater in seiner Landmaschinenwerkstatt in Frauenau im Bayerischen Wald. Kettensägen und Rasenmäher stehen in der kühlen, hohen Halle. In der Einfahrt parkt ein Traktor, dessen elektronische Steuerung kalibriert werden muss. Mehr als 20 Maschinen warten im Lagerraum auf ihre Reparatur. An Arbeit mangelt es hier nicht.
Wenn man sich in der Werkstatt umsieht, ahnt man schnell, dass hier körperlich hart gearbeitet wird. Das ist sicher ein Grund, weshalb die Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker bis heute eine Männerdomäne ist. Von den 7354 Auszubildenden, die der Zentralverband des Deutschen Handwerks und der deutsche Industrie- und Handelskammertag 2016 zählten, waren nur 111 Frauen. Bei schweren Aufgaben weiß sich Simone aber zu helfen. Falls sie einen Traktorreifen nicht alleine bewegen kann, fragt sie den Vater oder den Gesellen. Und wenn eine Schraube zu fest sitzt, nimmt sie ein Verlängerungsrohr. „Ich finde immer eine Lösung“, sagt sie.

Langjährige Kunden fragen heute nach der Tochter

In der ersten Zeit kam es vor, dass manche Kunden sie nicht für voll nahmen und mit ihrem Vater sprechen wollten. Mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass Simone gute Arbeit abliefert. „Heute passiert es sogar, dass Kunden mich fragen, ob Simone nicht den Auftrag ausführen kann. Das macht mich stolz“, sagt Thomas Mühlberger. Gemeinsam beteiligen sie sich an der Kampagne „Ausbildung macht Elternstolz“, mit der das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und die bayerischen Handwerkskammern (HWK) sowohl Jugendliche als auch deren Eltern von den Vorteilen einer Handwerkslehre oder Ausbildung überzeugen wollen.

Nach der Schule beim Papa in die Lehre

Simone Mühlberger hat sich nie für einen anderen Beruf interessiert. Nach der Hauptschule begann sie 2006 ihre Lehre in der Werkstatt des Vaters. Gegen die Ausbildung zur Land- und Baumaschinenmechatronikerin in einer fremden Werkstatt entschied sie sich, weil sie sich mit den Kunden und den Maschinen in der Gegend um Frauenau vertraut machen wollte. Dort gibt es viele Nebenerwerbsbauern mit Grünland oder Wald. Dreieinhalb Jahre dauerte die Lehrzeit und damit etwas länger als andere Ausbildungen. Das liegt daran, dass sich die Lehrlinge in elektronische Steuerungen, hydraulische und pneumatische Systeme und die Mechanik ganz unterschiedlicher Maschinen einarbeiten müssen. Ihre Lehre schloss Simone 2010 als eine der Besten ihres Jahrgangs ab, sechs Jahre später absolvierte sie ihre Meisterprüfung. „Ihre guten Noten“, sagt Thomas Mühlberger, „haben mich auch als ihr Ausbilder gefreut.“ In der Werkstatt, die er seit 2000 betreibt und die Simone eines Tages übernehmen wird, kümmert er sich um die alten Maschinen. Bei denen sind viele Ersatzteile nicht mehr lieferbar und er fräst sie selbst. Simone tut sich bei neuen Traktoren leichter, in denen viel Elektronik verbaut ist – so wie beim Traktor, der vor der Werkstatt steht. Dass sie manchmal früh morgens auf ein Feld muss, um einen Schlepper zu reparieren, schreckt sie nicht. „Ich bin gerne in der freien Natur“, sagt sie und schaut auf ihre ölverschmierten Hände. Und wenn Thomas Mühlberger manchmal in Hektik verfällt, weil der Kunde ungeduldig wartet, bringt sie die Ruhe rein. „Bisher“, sagt sie, „haben wir es noch immer geschafft, die Maschine zum Laufen zu bringen.“

Ausbildung als Fachinformatiker für Systemintegration

Montage auf der Datenautobahn

Als Fachinformatiker für Systemintegration kümmert sich Lukas Kuhnert um IT-Netze und Serveranlagen. Dass er das macht, verdankt er seiner Mutter Pia: Sie gab ihm einst den Anstoß, sich über diese Ausbildung zu informieren.

Regensburg und München – Die Termine bei Kunden mag Lukas Kuhnert am liebsten. Mit einem Kollegen, dem er in seiner Ausbildung als Fachinformatiker für Systemintegration zugeteilt ist, wartet er die Serveranlagen eines Unternehmens oder leuchtet das WLAN-Netz eines Gebäudes aus. Am besten ist ihm ein Auftrag in Erinnerung geblieben, bei dem sein Kollege und er in einer Lagerhalle mit einer gut zehn Meter hohen Decke ein drahtloses Netzwerk installieren sollten. „Der Kunde hatte uns einen Gabelstapler zur Verfügung gestellt, sonst wären wir überhaupt nicht an die Hallendecke gekommen“, sagt der 21-Jährige und schüttelt belustigt den Kopf.
Wer komplexe WLAN-Netze aufbaut, muss eben manchmal zu unkonventionellen Mitteln greifen. Lukas Kuhnert unterstützt nicht nur bei der praktischen Umsetzung, sondern hilft auch bei der Planung und Entwicklung neuer IT-Netzwerke. Seine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bei Bechtle, einem großen IT-Dienstleister mit rund 70 Standorten im deutschsprachigen Raum, absolviert er gerade in Regensburg und München. Ohne Leute wie ihn würde der Datenaustausch in Unternehmen nicht funktionieren. Laut des Deutschen Industrie- und Handelskammertages und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks befanden sich 2016 17.894 junge Menschen in dieser Ausbildung, Tendenz steigend.

In der Ausbildung aufgeblüht

Lukas' Mutter Pia sieht vor allem an seiner persönlichen Entwicklung, dass ihr Sohn das Richtige gefunden hat. „Seit er die Ausbildung macht, ist er regelrecht aufgeblüht und hat einen Ehrgeiz und eine Zielstrebigkeit entwickelt, die ich früher nicht an ihm gekannt habe“, sagt die Pharmareferentin. Die beiden sind ein gutes Beispiel für die Kampagne „Ausbildung macht Elternstolz“, mit der das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und die bayerischen Handwerkskammern (HWK) sowohl Jugendliche als auch deren Eltern von den Chancen einer Handwerkslehre oder Ausbildung überzeugen wollen. 
Es war Pia Kuhnert, die ihrem Sohn 2015 vorschlug, sich die Ausbildung zum Fachinformatiker einmal genauer anzuschauen. Damals hatte Lukas sein Studium der Elektrotechnik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg nach einem Semester abgebrochen und war dementsprechend geknickt. „Eins war klar: Wir brauchen einen Plan“, erinnert er sich. Gemeinsam hatten sie sich über verschiedene Berufsbilder informiert und Internetvideos angeschaut, auch die Ausbildung zum Automobilkaufmann oder ein duales Studium zum Wirtschaftsinformatiker interessierten ihn. „Wir haben überlegt, was zu ihm passen könnte“, erinnert sich Pia Kuhnert. Für eine Ausbildung als Fachinformatiker für Systemintegration entschied er sich, weil er gerne mit Menschen zusammenarbeitet, und der Beruf ihm viele Möglichkeiten bietet, sich weiterzuentwickeln. Fachinformatiker machen ständig Weiterbildungen und erwerben neue Zertifikate, um mit der technologischen Entwicklung mitzuhalten. Das Verständnis dafür bringt er ohnehin mit. Schließlich hat er ein Fachabitur mit technischem Schwerpunkt und als Jugendlicher mit seinem Vater Klaus leidenschaftlich gern an Computern herumgeschraubt.

Wegen guter Leistungen früher zum Abschluss

Einige Monate später hatte Lukas seinen Ausbildungsplatz. Im ersten Lehrjahr kümmerte er sich um das interne Netzwerk an den Standorten München und Regensburg und traf technische Vorbereitungen für die Software-Schulungen von Firmenkunden. Im zweiten Lehrjahr fing er an, Kunden vor Ort zu besuchen. Vor allem WLAN-Ausleuchtungen, bei denen man ein Netz aus WLAN-Access Points so anlegt, dass man im ganzen Raum oder Gebäude den bestmöglichen Empfang hat, machten ihm Spaß. Begeistert erzählt er von den Gesprächen mit Kunden und die Einblicke in andere Arbeitswelten vom Luxusgeschäft in München bis zum Stahlbauer in Österreich – in Zeiten der Digitalisierung nimmt fast jedes Unternehmen die Dienste von Fachinformatikern in Anspruch.
Eigentlich dauert die Ausbildung drei Jahre. Wegen guter Leistungen darf Lukas sie aber verkürzen und im Februar 2018 abschließen. Als Abschlussarbeit plant er, am Münchener Standort von Bechtle ein neues WLAN-Netzwerk zu installieren. Läuft alles nach Plan, übernimmt das Unternehmen ihn nach der bestandenen Abschlussprüfung. Worauf er sich jetzt schon freut: „Dann fahre ich wieder öfter zu Kunden – als Junior System Engineer.“

Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann

Mein Ziel? Ganz nach oben!

Marco Schneider und seine Mutter Daniela stammen aus einer Familie von Einzelhändlern. Nun macht auch der Sohn bei Danielas Arbeitgeber eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und hat Großes vor.

Rothenburg ob der Tauber – „In die Wiege gelegt“: Diese Redensart trifft vermutlich bei wenigen Menschen so zu wie bei Marco Schneider und dem Berufsfeld „Einzelhandel“. Als Kind war er oft im Mineralien- und Edelsteinladen seiner Großeltern und sah ihnen fasziniert beim Verkaufen der schillernden Kostbarkeiten zu. Jahre später waren da die Fahrten mit dem mobilen Marktstand der Familie, bei denen er seine Mutter Daniela (*August 1973) und seinen Onkel gelegentlich begleiten durfte. Mal wurde der Stand in einem Einkaufszentrum aufgestellt, mal in einem Krankenhaus. Marco liebte es, mit den Kunden zu sprechen und strahlte, wenn ihnen die Ware gefiel. „Das war einfach von Anfang an sein Ding“, sagt Daniela Schneider und sieht ihren Sohn liebevoll an. „Genauso empfinde ich es auch“, nickt Marco, inzwischen 24 Jahre alt. „Einzelhandel bedeutet Spaß, Abwechslung und vor allem ganz viel Kontakt mit Menschen. Das begeistert mich.“ Gerade schließt er seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei Kaufland in Rothenburg ob der Tauber ab und hat sich damit sogar den gleichen Arbeitgeber ausgesucht wie seine Mutter. Als inspirierendes Beispiel sind die beiden deshalb Teil der Imagekampagne „Ausbildung macht Elternstolz“, mit der das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und die bayerischen Handwerkskammern (HWK) Jugendliche und deren Eltern von den Vorteilen einer Lehre oder Ausbildung überzeugen wollen.

Kleiner Umweg auf der Berufslaufbahn

Allerdings kam Marco nicht gleich auf die Idee mit der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Nach dem Abitur begann er zunächst ein Jurastudium in Würzburg. „Ich fand die Welt der Anwälte immer faszinierend. Außerdem liebe ich Anzüge“, sagt Marco lachend. Strafrecht hat ihm während seiner zwei Semester an der Uni schon viel Spaß gemacht. Aber irgendwie fehlten ihm die direkten Resultate. Die bekam er bei seinem Studentenjob in einem Discounter, wo man sein Talent schnell erkannt hatte und ihm trotz seines jugendlichen Alters schon viel Verantwortung übertrug. Irgendwann lag sein weiterer Weg für Marco auf der Hand: Hier das Studium, das er sich selbst finanzieren musste. Dort ein Job, der ihm trotz harter Arbeit spielend leichtfiel und in dem er von Anfang an Geld verdiente.
Mutter Daniela, der während Marcos Studienzeit besorgt aufgefallen war, dass ihr Sohn im Studium gar nicht mehr zufrieden gewesen war, warb bei ihm für ihren Arbeitgeber Kaufland und konnte ein Vorstellungsgespräch in der Rothenburger Filiale organisieren. Sie selbst arbeitet in einer nicht weit entfernten Niederlassung. Jetzt, mitten in seiner, wegen der Hochschulreife verkürzten Ausbildung, ist Marco nach Auffassung seiner Mutter „wieder ganz er selbst“. Daniela ist eine zurückhaltende Frau, die in der Nähe ihres redegewandten Sohnes aufblüht - sie ist für ihn Heimat und eine sehr wichtige Ratgeberin. „Wir tauschen uns öfter aus, wie es gerade im Job läuft“, erzählt Daniela. Sie stehen inzwischen auf Augenhöhe. „Das ist ein schönes Gefühl für eine Mama.“

Verkaufsgespräche führen will gelernt sein

Gerade hat er in einem eigens gegründeten Team den Umbau des Marktes begleitet. Solche anspruchsvollen Aufgaben – der Verkauf musste während der Renovierung ungestört weiterlaufen – können auch Teil einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann sein. Aber Marco ist auch ins Tagesgeschäft eingebunden, etwa in die so genannte Warenpflege. Dabei kalkuliert er, was und wie viel nachbestellt wird, oder er positioniert Waren und Sonderaufbauten strategisch günstig. Natürlich gehört auch das Bestücken der Regale zu seinem Alltag. „Das mache ich richtig gerne, weil ich dabei am meisten mit den Kunden zu tun habe. Am besten gefällt mir die Vielseitigkeit meiner Aufgaben. Es wird nie langweilig.“ Während seiner Berufsschulblöcke beschäftigt sich Marco dann mit Inhalten wie Rechnungswesen, Lagerwirtschaft, Warenkontrolle oder dem Führen von Verkaufsgesprächen.
Wo Marco langfristig hin möchte, ist für ihn klar: „Nach oben. Am liebsten als Filial- oder Ausbildungsleiter. Ich mag es, Verantwortung zu übernehmen und mich zu beweisen. Deshalb finde ich es auch klasse, während meiner Lehre alle Bereiche eines Marktes kennenzulernen – die Personalabteilung wie das Rechnungswesen oder die Tätigkeit an der Kasse. Als Chef muss man ein Gefühl für die Zusammenhänge und das große Ganze bekommen.“ Daniela nickt. Sie kann sich ihren charmanten, eloquenten Sohn sehr gut in einer Führungsposition vorstellen. Umso stolzer ist sie darauf, dass er seinen Traumberuf gerade von der Pike auf lernt. „Dieser zupackende Fleiß und seine Begeisterung machen mir enorme Freude.“

Ausbildung zum Stahlbetonbauer

Hoch hinaus

Medin Murati ist in vierter Generation Stahlbetonbauer und hat es mit gerade mal 20 Jahren sogar zum Vizeweltmeister seines Fachs gebracht.

Das nennt man eine Familientradition: Medin Murati ist Stahlbetonbauer wie vor ihm sein Urgroßvater, sein Großvater und sein Vater. „Das liegt bei uns in der Familie, oder?“, fragt Medin seinen Vater und lacht. Enver Murati nickt stolz. Er ist als Jugendlicher aus dem damaligen Kriegsgebiet Kosovo ins Allgäu gekommen, hat hier eine Lehre und später seinen Meister gemacht und sich als Unternehmer in Memmingen eine Existenz aufgebaut. Diesen Ehrgeiz und Biss hat er an seinen Sohn weitervererbt.

Bauen ist Präzisionsarbeit

Medin liebt es, mit seinen Händen und Holz zu arbeiten – eine wichtige Voraussetzung für seinen Beruf. Der flüssige Beton wird auf der Baustelle in Holzverschalungen gegossen, die zunächst konzipiert und gebaut werden müssen. Und zwar mit Präzision. Die war auch Prüfungsgegenstand der WorldSkills in Abu Dhabi. „Wenn man sich auch nur um einen Millimeter vermisst“, erklärt Medin, „stimmt das Lot in der Höhe nicht mehr. Man muss ganz exakt arbeiten, sehr sorgfältig planen und rechnen.“ Zwar war das Prüfungs-Gebäude nur vier auf fünf Meter groß und wenige Meter hoch. „Aber dafür haben ungewöhnliche Winkel in den Wänden und arabische Spitzbögen das Ganze erschwert.“ Zuhause in Memmingen haben Enver und die ganze Familie den Wettbewerb mit Stolz und Spannung verfolgt. „Ich habe dauernd auf mein Handy geschaut, ob eine neue Nachricht von Medin gekommen ist. Als er dann anrief und sagte, dass er Vizeweltmeister geworden ist, kamen mir vor Freude die Tränen.“
Dass Medin ein sehr guter Stahlbetonbauer werden würde, zeichnete sich schon während der Lehrjahre ab. In der Berufsschule lernte er zunächst die Basics wie Verputzen, Trockenbau, Verschalung oder Pflastern in der Theorie. Später folgten Statik und Wärme-Isolierung. Auf der Baustelle wurden ihm bald anspruchsvolle Aufgaben zugetraut. Irgendwann drückte ihm der Bauleiter einfach einen Plan in die Hand. „Hier, mach mal.“ Medin machte – und zwar richtig gut. Sein Handwerk beherrscht er inzwischen so gut, dass er im Moment zusammen mit seinem Vater ein eigenes Haus an das Elternhaus anbaut. „Das liebe ich besonders an meinem Job: Dass ich das Ergebnis meiner Arbeit so gut sehen kann.“

Nächstes Ziel: Der Meisterbrief

Wie es weitergeht? Wie einst sein Vater möchte Medin als nächstes seinen Meister machen. „Mein Vater ist ein großes Vorbild für mich“, sagt Medin. „Er hat sich alles selbst aufgebaut und seine Ziele immer im Auge behalten. Ganz klar: Es sind große Fußstapfen, in die ich trete.“ Bei diesen Worten leuchten Enver Muratis hellblaue Augen. Weil er sich in seinem zielstrebigen, hart arbeitenden Sohn wiedererkennt: „Er beißt sich immer durch und verfolgt seine Träume. Es ist schön, das zu sehen.“ Ob er stolz ist auf ihn? Enver nickt. „Mein Stolz ist größer, als Worte ausdrücken können.“

Mutter und Sohn im  Büro
Ausbildung zum technischen Produktdesigner

Mit Stahl und Aluminium hinaus in die Welt

Seine Eltern konnten ihn von einer Lehre zum technischen Produktdesigner überzeugen. Demnächst beendet Alexander Hätscher seine Ausbildung und startet beruflich durch.

Ingenried – Hätte Alexander Hätscher auf seine Realschullehrerin gehört, säße er im Moment vermutlich in seinem ersten Semester an der Fachhochschule. Stattdessen steht er mit gerade 19 Jahren kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum technischen Produktdesigner – und hat schon jede Menge praktische Erfahrung gesammelt, sogar im Ausland. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung zum Produktdesigner in der Fachrichtung Maschinen- und Anlagenkonstruktion. Anfang 2019 ist Alexander fertig und er weiß: „Dank der Gespräche mit meinen Eltern habe ich die richtige Entscheidung getroffen.“
Das findet auch Mutter Helene Hätscher. „Man spürt einfach, dass Alexander gerne in die Arbeit geht. Deshalb macht es mich so stolz, dass wir ihn von den Vorteilen einer Ausbildung überzeugen konnten, und er mit dieser Entscheidung so glücklich ist.“ Die Chancen und Möglichkeiten einer Ausbildung zu erkennen: Darum geht es in der Kampagne „Ausbildung macht Elternstolz“ des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) sowie der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern (HWK).
Eine gute Ausbildung – das hat einen hohen Stellenwert in der Familie Hätscher. Vor fast 20 Jahren hat sich Alexanders Vater Hermann mit einem Planungsbüro selbstständig gemacht. Die Basis bildete damals eine Schreinerlehre sowie Weiterbildungen zum Holztechniker und Zimmerermeister. „Das Handwerk hat ihn geformt“, sagt Ehefrau Helene. „Davon profitiert mein Mann bis heute.“ 
Vielleicht stand es deshalb für Alexander von Anfang an ein stückweit fest, dass er eine Ausbildung machen würde. Den endgültigen Ausschlag gab letztlich ein einwöchiges Berufspraktikum bei einem Automobilzulieferer in Denklingen. Drei Berufe standen dabei zur Auswahl. „Es war alles spannend. Aber im Büro der Produktdesigner habe ich von Anfang an meine Zukunft gesehen.“ Auch weil der 19-Jährige gerne zeichnet und konstruiert. Was er besonders faszinierend findet: „Aus meinen Ideen wird ein Stahl- oder Aluminiumbauteil, das irgendwann weltweit in Autos unterwegs ist.“
Dass er in seiner Arbeit einen realen Nutzen sieht, ist eine Sache. Die andere ist, dass sich der Berufsalltag sehr positiv auf seine persönliche Entwicklung ausgewirkt hat: „Alexander ist viel selbständiger und selbstbewusster geworden“, sagt Mutter Helene. „Wenn er zum Beispiel zum Blockunterricht in der Berufsschule in München ist, blüht er total auf.“ Dort stehen Fächer wie Konstruktion, Planung, Auftragsprojektierung, Fertigungs- und Werkstoffkunde auf dem Stundenplan.
Mit seinem Wissen konnte Alexander bereits das amerikanische Werk seines Ausbildungsbetriebes für drei Wochen unterstützen. Die Chance bekam er, nachdem er den Azubi-Award des Industrieverbandes Massivumformung gewonnen hatte. Die Auszeichnung wurde 2018 zum ersten Mal an die drei besten Nachwuchskräfte all jener Industriezweige vergeben, in denen geschmiedete Bauteile gefertigt werden. „Das war eine große Ehre und einfach klasse, dass ich auf diese Weise berufliche Erfahrungen in den USA sammeln konnte“, schwärmt der technische Produktdesigner. „Ganz nebenbei habe ich dort im täglichen Betrieb auch noch das nötige Fachvokabular gelernt.“
Die Auslandserfahrung hat Alexander geprägt. Er kann sich vorstellen, später noch einmal für eine Weile beruflich ins Ausland zu gehen. Die Chancen stehen gut in seiner Branche. Aber erst einmal will er sich weiterbilden. Ob er das via Technikerschule oder Berufsoberschule und Studium macht, darüber denkt Alexander noch nach. Dass er unbedingt noch mehr Wissen und Fachkompetenz in seinem Beruf sammeln will, das ist dem angehenden Produktdesigner klar. Auch, meint er lachend, „weil ich es damals meiner Lehrerin versprochen habe.“

Mutter und Tochter mit Stoffen beim Nähen
Ausbildung zur Fahrzeuginnenausstatterin

Den Himmel zwischen den Fingern

Claudia Mühlbauer ist Fahrzeuginnenausstatterin mit Rolls-Royce-Erfahrung.

Gangkofen - Wer kann schon von sich behaupten, dass er jeden Tag den Himmel auf Erden macht? Claudia Mühlbauer kann. Die Fahrzeuginnenausstatterin arbeitet bei einem Automobilhersteller in der sogenannten Himmelmanufaktur. Oberklasse-Autos mit einer perfekten Innendecke auszustatten ist für sie nicht nur ein toller Job, sondern auch ein handwerklicher Beruf mit hervorragenden Aussichten. Sehr zur Freude ihrer Mutter.

„Es ist einfach schön zu sehen, wie sie sich in den letzten Jahren nicht nur beruflich, sondern auch persönlich entwickelt hat“, sagt Gabriele Mühlbauer.

Deshalb steht die 46-Jährige auch hinter den Zielen der Kampagne „Elternstolz“ des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) sowie der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern (HWK). Sowohl Jugendliche als auch deren Eltern sollen so von den Vorteilen einer Handwerkslehre oder Ausbildung überzeugt werden. „Höchste Zeit, dass viel mehr junge Menschen die Chancen erkennen, die sich nach einer guten Ausbildung bieten“, findet auch Gabriele Mühlbauer. Sie sagt das nicht nur als Mutter, sondern auch mit Blick auf die eigene Firma. Der Fachbetrieb für Sanierung und die Montage von Bauelementen sucht gerade händeringend einen neuen Mitarbeiter. „Es fehlt qualifizierter Nachwuchs. Eine motivierte Bewerberin wie meine Tochter, die könnten wir gut gebrauchen.“

Schon als Kind hat Claudia ihrem Vater gerne bei der Arbeit zugeschaut - und mit angepackt.

Später nach verschiedenen Berufspraktika während der Realschulzeit verstärkte sich der Wunsch nach einer Ausbildung: „Ich will einfach am Ende des Tages etwas in der Hand halten oder zumindest sehen, was ich geschafft habe. Immer nur Büro und Computer, das wär‘ nichts für mich.“ Bei einem Berufsinformationstag fand sie dann Gefallen an der Idee, Fahrzeuginnenausstatterin zu werden. „Vor allem, weil ich gerne nähe.“

Drei Jahre dauerte die Ausbildung bei dem bayerischen Autobauer. „Langweilig wurde mir nie“, sagt die junge Frau.

Von der Stanzerei über den Musterbau bis zur Polsterei und der Näherei lernte sie alle Facetten des Berufs kennen. Die Theorie über Fertigungstechnik oder Lederherstellung vermittelten die Lehrer an der Berufsschule in Mainburg. Zudem nutzte Claudia Mühlbauer die Möglichkeiten, die ihr der Weltkonzern bot. Sie engagierte sich in der Jugendvertretung des Betriebsrats, schnupperte gerne in fachfremde Bereiche der Produktion und erfüllte sich mit einer Auslandstätigkeit bei Rolls-Royce in England einen Traum: „Dort spielt das Thema Innenausstattung noch einmal eine ganz andere Rolle. Es war eine phantastische Zeit.“
Nach ihrem Einser-Abschluss im Jahr 2015 wurde die Fahrzeuginnenausstatterin übernommen, seitdem fertigt Claudia Mühlbauer in Dingolfing die Himmel für die Autofahrer. Ob es noch Vorbehalte gegen Frauen in der Männerbranche Kfz gibt? „In meiner Abteilung habe ich das nie gespürt, zumal dort auch viele Frauen arbeiten. Und in der Ausbildung war das Verhältnis ohnehin fast 50 zu 50.“ Dennoch habe sie diesen Punkt zu Beginn durchaus als Ansporn empfunden: „Man will sich ja auch beweisen und Anerkennung bekommen. Und als Frau vielleicht noch ein kleines Stück mehr.“

Demnächst will sich die 21-Jährige um ein Weiterbildungsstipendium bewerben und wenn möglich ihren Meister machen.

„Und dann vielleicht noch einmal ins Ausland oder in die Selbstständigkeit: Da stehen jetzt viele Wege offen.“ Momentan fühlt sie sich aber in der Polsterei bestens aufgehoben. Selbst die Schichtarbeit macht ihr wenig aus: „Ich mag diese Abwechslung. Und außerdem wird sie gut bezahlt.“ Ob sie schon auf einen Rolls-Royce spart? „So schön er innen auch ist“, lacht Claudia Mühlbauer. „Einparken möcht‘ ich ihn nicht jeden Tag."

Vater und Tochter mit einem Glas Rotwein
Ausbildung zur Weintechnologin

Beim Keltern steht sie ihren Mann

Frauen sind in ihrem Beruf in der Minderheit: Michèle Fries ist Weintechnologin. Die Liebe zum guten Tropfen entwickelte sie auf dem Weingut ihrer Eltern.

Röttingen – Schon als Kind ging Michèle mit ihrem Vater Winfried in den Weinberg. Vier Hektar besitzt die Familie am Röttinger Feuerstein, einer Weinlage in Unterfranken. „Ich habe es geliebt, in der Natur zu sein und zu sehen, wie die Trauben langsam wachsen“, erinnert sie sich. Bei der Weinlese packte die ganze Familie mit an: Michèle, ihre beiden Brüder, die Eltern, die Großeltern. „Mein Papa war mein erster Lehrer“, sagt die 21-Jährige.
Heute ist Michèle Weintechnologin. 2016 schloss sie ihre Ausbildung an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim ab. Für diesen Ausbildungsort entschied sie sich bewusst: „Man kann dort viel üben und ausprobieren.“ Im Lehrbetrieb lernen die Azubis das Keltern, die Gärung und die Abfüllung in Flaschen. Michèle machte es Spaß zu lernen, wie man den jungen Wein mit Messinstrumenten analysiert und veredelt. Nach drei Jahren wurde sie als Zweitbeste ihres Jahrgangs ausgezeichnet.
Von zuhause kannte Michèle die Arbeit im Weinkeller nicht. Ihre Eltern lassen ihren Wein in einer Genossenschaft herstellen. Gerade deshalb wollte sie die Arbeit eines Weintechnologen von Grund auf erlernen.
Um ihr Know-how zu erweitern, absolviert sie gerade zusätzlich eine Ausbildung zur Winzerin im Weingut Reiss, einem Familienbetrieb in Würzburg. Der Grund: „Als Weintechnologin arbeite ich nur im Keller. Als Winzerin kümmere ich mich auch um den Weinberg.“ Die Ausbildung zur Winzerin ist also breiter, geht aber bei der Verarbeitung der Trauben nicht so in die Tiefe.
Vater Winfried ist natürlich stolz. „Ganz klar – ich fand’s toll, als Michèle uns sagte, dass sie Weintechnologin werden will.“ Die Familie ist damit das beste Beispiel für die Kampagne „Ausbildung macht Elternstolz“. Mit ihr wollen das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und die bayerischen Handwerkskammern (HWK) Jugendliche und deren Eltern von den Vorteilen einer Handwerkslehre oder Ausbildung überzeugen.
In ihrem Beruf bewegt sich die junge Weintechnologin in einer Männerwelt. Nur vier von 30 Azubis ihres Jahrgangs waren Frauen. Michèle Fries macht das nichts aus. „Mit meinem Fachwissen verschaffe ich mir schon Respekt“, sagt sie. Sie weiß, dass der Beruf auch körperlich viel fordert. „Das ist nichts für Zartbesaitete, aber so bin ich auch nicht.“
Durch die Ausbildungen hat sich ihr Verhältnis zu den Eltern verändert. Wenn sie am Wochenende aushilft, entspinnen sich zwischen Vater und Tochter manchmal Fachgespräche. „Es kommt schon vor, dass wir anderer Meinung sind, aber wir einigen uns immer“, erzählt Winfried. Dass seine Tochter das Weingut eines Tages übernimmt, kann er sich gut vorstellen. „Ich will sie aber nicht unter Druck setzen. Sie soll selbst herausfinden, was sie machen möchte.“
Im Moment mag Michèle noch nicht so weit denken. Wenn sie ihre zweite Ausbildung Ende 2018 beendet hat, möchte sie am liebsten eine Weile auf einem Weingut in Südafrika arbeiten. „Ich will ein wenig die Welt sehen und lernen, wie man in anderen Ländern guten Wein macht.“

Vater und seine Söhne mit Dachziegeln
Ausbildung zum Dachdecker

Zwei Brüder packen an

Für Xaver Eckstein der Idealfall: Beide Söhne arbeiten in seinem Dachdeckerbetrieb.

„Ich komme aus einer Dachdeckerfamilie“, sagt Xaver Eckstein Senior. Schon sein Opa übte diesen Beruf aus, Xaver Eckstein lernte das Handwerk beim Vater. Heute führt er in Kösching bei Ingolstadt einen Betrieb mit rund 20 Mitarbeitern, der sich auf Flachdächer spezialisiert hat. Er hofft, dass seine Söhne Xaver und Michael das Unternehmen eines Tages übernehmen. Beide sind in die Fußstapfen des Vaters getreten, und der Vater hat sie dabei tatkräftig unterstützt. Die Familie ist damit ein perfektes Beispiel für die Kampagne „Elternstolz“. Mit ihr wollen das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) sowie die Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern (HWK) Jugendliche und ihre Eltern von den Chancen einer Handwerkslehre oder Ausbildung überzeugen.

Den Alltag auf der Baustelle lernten die Söhne schon während der Schule kennen. In den Ferien halfen sie beim Vater mit. 

Xaver, der Ältere, entschied sich nach der Realschule aber dafür, etwas Neues auszuprobieren und sich zum Fachinformatiker ausbilden zu lassen. Michael, der Jüngere, begann eine Dachdeckerlehre. „Ich hatte nichts dagegen, dass Xaver sich für einen anderen Beruf entschieden hat, er war schon immer eher der Computermann, während der Jüngere mehr Spaß am Handwerk hatte“, sagt der Vater. Nachdem der Älteste seine Ausbildung beendet hatte und ein halbes Jahr als Systemadministrator tätig war, sah er die Arbeit des Vaters aber mit anderen Augen und entschied sich, auch eine Dachdeckerlehre zu beginnen. Ihm gefällt, dass er mit den Händen arbeiten kann und etwas Bleibendes schafft. „Außerdem habe ich gemerkt, wie viel abwechslungsreicher der Beruf ist – man arbeitet im Büro, aber auch draußen im Freien, man kommt herum und lernt Kunden kennen“, sagt Sohn Xaver, der seine Lehre im Sommer abschließt.

Der Vater freut sich darüber, dass sich der Älteste umentschieden hat.

„Wir waren überrascht, aber natürlich gefällt es mir und macht mich stolz, dass jetzt beide meiner Söhne im eigenen Betrieb tätig sind“, sagt der Vater.
Während Michael mehr auf der Baustelle unterwegs ist, kümmert sich Xaver daneben auch um die Computer-Anlage im Büro und hat die neue Firmen-Website mit aufgebaut. Es ist eben gar nicht so schlecht, einen Dachdecker mit Fachinformatikerkenntnissen im Haus zu haben.

Vater und Tochter im Optikerfachgeschäft
Ausbildung zum Optiker

Optiker-Meisterin Katharina

Seit fast drei Jahren ist Augenoptiker-Meisterin Katharina Rupp nach der Berufsausbildung zum Optiker mit ihrem eigenen Laden erfolgreich. Ihr Konzept, kreative Geschäftsideen mit High-Tech zu verbinden, geht auf.

Dittelbrunn – Fragt man Katharina Rupp nach ihren besten Mitarbeitern, ist ihre Antwort: „Meine Eltern“. Dabei lacht sie. Ein schönes, herzliches Lachen. Ihre Mutter Marika Rupp nimmt in Katharinas eigenem Augenoptiker-Laden im unterfränkischen Dittelbrunn die Kundschaft in Empfang und kümmert sich um die Buchhaltung. Vater Anton hat schon manchen kurzsichtigen Autofahrer aus seiner Kfz-Werkstatt direkt in den Laden der Tochter geschickt, die zum Glück gleich nebenan ist: „Am Steuer merkt man schließlich schnell, wenn etwas mit den Augen nicht stimmt.“Es hat sich bis heute in vieler Hinsicht gelohnt, dass Katharinas Eltern absolut von den Chancen überzeugt waren, die eine Berufsausbildung zur Optikerin bietet. „Wir sind total stolz auf unsere Tochter und was sie in den vergangenen Jahren Tolles auf die Beine gestellt hat. Sie geht so in ihrem Job auf – weil sie wirklich die bestmögliche Wahl unter vielen Ausbildungsmöglichkeiten getroffen hat“, sagt Anton Rupp. Genau darauf zielt die Kampagne „Ausbildung macht Elternstolz“ des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und der bayerischen Handwerkskammern (HWK) ab. Den Traum vom eigenen Laden erfüllte sich die Augenoptiker-Meisterin im Oktober 2015 mit der Unterstützung ihres Vaters: Auf dem Gelände seiner Kfz-Werkstatt in Dittelbrunn entstand das Fachgeschäft „Optik Rupp“.
Dass die Eltern im Joballtag immer in ihrer Nähe sind, bringt nicht nur tolle Synergieeffekte – sie geben Katharina Rupp auch sehr viel Stärke. „Ganz klar, ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre mein bisheriges Berufsleben nicht ganz so glatt gelaufen“, resümiert die heute 29-Jährige. „Sie haben mir von Anfang an vertraut.“ Getragen von diesem guten Gefühl hat sie eine Traum-Karriere hingelegt – die mit einer Ausbildung begann.
Der Weg in ihren Beruf führte Katharina Rupp nach der Real- und Fachoberschule zunächst zur Arbeitsagentur. Die Beraterin empfahl ihr unter anderem eine Berufsausbildung zur Optikerin. Die Vielseitigkeit des Optiker-Berufsbildes habe schließlich den Ausschlag gegeben: „Ich mag sowohl den direkten Kontakt zu den Kunden als auch die abwechslungsreiche Arbeit in der Werkstatt.“ Nach zwei Bewerbungen hatte Katharina Rupp einen Ausbildungsplatz gefunden, 2011 legte sie ihre Gesellenprüfung ab. Wenig Monate später meldete sie sich an der privaten Meisterschule in Diez an. „Dank Meister-BAföG musste ich nicht lange sparen.“ Im Dezember 2012 hielt sie ihr Meisterzeugnis in der Hand und stieg in ihrem damaligen Ausbildungsbetrieb zur stellvertretenden Filialleiterin auf.
Nach der Meisterschule machte sich Katharina Rupp mit 25 Jahren und einer guten Idee selbstständig: Als mobile Optikerin besuchte sie Städte und Gemeinden im Raum Schweinfurt. „Unterwegs war ich mit einem umgebauten Transporter. Der hatte alles, was man braucht: Brillenbühnen, Verkaufstisch und die nötige Länge für einen Sehtest.“ Den Transporter hat die 29-Jährige inzwischen verkauft. Doch weil vor allem Senioren ihre Hausbesuche schätzen, fährt sie weiterhin an zwei halben Tagen in der Woche in Altersheime.
Gerade hat sich Katharina Rupp ihr erstes Hightech-Diagnostikgerät angeschafft. Damit kann sie Augenerkrankungen wie zum Beispiel den Grauen Star erkennen und ihren Kunden den Gang zum Augenarzt ersparen.  In ihrem eigenen Laden läuft es inzwischen so gut für die kreative junge Geschäftsfrau, dass sie weitere Unterstützung sucht. Das ist nicht einfach, weil nur ausgebildete Optiker die Messungen vornehmen dürfen. „Da kann mir meine Mutter ausnahmsweise nicht helfen“, sagt Katharina Rupp und lächelt ihre Mama liebevoll an. Dafür kündigt sich eine Fachkraft aus einer anderen familiären Ecke an: Im nächsten Jahr wird sie heiraten. Ihren Verlobten hat sie auf der Meisterschule kennengelernt. Auch er ist Optiker, arbeitet aber in der Industrie. Es sieht ganz so aus, als könne man auch in Zukunft noch eine Menge erwarten von Katharina und ihrem kleinen Familienunternehmen.

Ausbildung zur Hotelfachfrau

Was macht man eigentlich als Hotelfachfrau?

Ausbildung, Studium, Führungsposition? Hanna-Elise Feneberg macht’s anders: Vor ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau studierte sie BWL. Jetzt ist sie Mutter und will später das Boutique-Ferienhaus ihrer Eltern übernehmen.

Besser hätte es für Hanna-Elise Feneberg nicht laufen können. Nachdem die Oberstdorferin im Juli 2016 ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau beendet hatte, bot ihr Ausbildungsbetrieb, ein exklusives Wohlfühlresort im Allgäu, ihr eine Stelle im hauseigenen Veranstaltungsbüro an. Hier konnte Hanna-Elise eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten. Neben Hochzeiten, Taufen und Geburtstagen organisierte sie größere Events wie eine Wohltätigkeitsgala mit 250 Gästen, bei der auch Rennfahrer der Deutschen Tourenwagen-Masters geladen waren. „Das war natürlich aufregend und genau der Job, den ich mir während meiner Ausbildung gewünscht hatte“, sagt die 27-Jährige.

Ein Jahr später zog es Hanna-Elise trotzdem wieder nach Hause zurück. Sie hatte in ihrer Ausbildung und im ersten Job viele wichtige Erfahrungen gesammelt. Jetzt wollte sie sich einen langjährigen Traum erfüllen und bei ihren Eltern mitarbeiten, die in Oberstdorf ein Boutique-Ferienhaus betreiben. Seitdem hat Hanna-Elise unter anderem die Website neu aufgesetzt, eine Facebook-Seite eingerichtet und ihrer Mutter Barbara dabei geholfen, die Inneneinrichtung der Ferienwohnungen aufzufrischen. Ihre Eltern finden, dass Hanna-Elise durch die Ausbildung viel gelernt hat und persönlich gewachsen ist. „Ich bin froh, dass sie gefunden hat, was zu ihr passt“, sagt ihr Vater Peter Feneberg. Gemeinsam engagieren sie sich als Botschafter der Kampagne „Ausbildung macht Elternstolz“, mit der das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und die Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern (HWK) Jugendliche und deren Eltern von den Vorteilen einer Ausbildung überzeugen wollen.

Nach dem Bachelor in den Hotelbetrieb

Hanna-Elise hat sich erst spät für eine Ausbildung entschieden. Nach dem Abitur studierte sie zunächst Betriebswirtschaftslehre in München. Weil es ihr Spaß machte, nebenher in der Gastronomie zu jobben und am Wochenende im Ferienhaus der Eltern auszuhelfen, reifte in ihr der Wunsch, im Gastgewerbe zu arbeiten. „Ich wollte meinen Beruf von der Pike auf lernen. Deshalb war die Ausbildung zur Hotelfachfrau der nächste logische Schritt.“ Sie hat die Entscheidung nicht bereut. Nachdem sie ihr Studium 2014 mit dem Bachelor abgeschlossen hatte, stürzte sie sich Mitte 2014 in ihr neues Abenteuer. Was zum Berufsbild Hotelfachfrau gehört? „Ich habe viele Abteilungen durchlaufen und alles kennengelernt, was zu einem Hotelbetrieb gehört.“ Für die Grillstube hat sie Vorspeisen-Salate zubereitet, im Sterne-Restaurant bedient, an der Rezeption Gäste empfangen und als Zimmermädchen die Betten gemacht. Ihre Ausbildungszeit konnte sie um ein Jahr auf zwei Jahre verkürzen.
Eigentlich hatten Eltern und Tochter mit dem Gedanken geliebäugelt, dass Hanna-Elise bald die Leitung übernimmt. 2017 wurde sie schwanger und brachte im Oktober ihre Tochter Frida zur Welt. Im Gästehaus ist sie im Moment selten. Mit ihren Eltern tauscht sie sich dennoch regelmäßig über Personal- und sonstige Themen aus. Wichtige Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Wenn Frida in den Kindergarten geht, will Hanna-Elise den alten Plan mit ihrem Lebenspartner Florian Kösel umsetzen, den sie während ihrer Ausbildung kennengelernt hat. Er ist ausgebildeter Koch und studiert derzeit an der Fachhochschule in Graz nachhaltiges Lebensmittelmanagement.
An Ideen für das Gästehaus mangelt es den beiden nicht. Hanna-Elise würde gerne Aktivitäten anbieten, die die Kochkunst ihres Partners mit ihrer Begeisterung für Sport verbinden: Yoga Retreats mit leichter, gesunder Verpflegung zum Beispiel oder Bergwanderungen mit anschließendem Abendessen im Gästehaus. Vater Peter kann sich das alles sehr gut vorstellen. Er freut sich, dass seine Tochter fest beabsichtigt, das Gästehaus eines Tages zu übernehmen. „Es macht einen so stolz, wenn ein Kind das weiterführen will, was man aufgebaut hat.“