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Vorbilder

Du musst nicht machen, was alle machen

Anja & Amelie Jira
Konditorin

„Ich kann nicht gut backen. Bei mir ist das ein Glücksfall, wenn da mal was klappt.“ Anja lacht, während sie das sagt. „Aber in dem Bereich muss ich gar nichts mehr machen. Das macht jetzt alles meine Tochter und ich krieg die leckersten Ergebnisse präsentiert.“

Tochter Amelie ist 16 Jahre alt, stand das erste Mal aber bereits vor sieben Jahren in einer echten Backstube.

Ungewöhnlich früh also. Klar, am Anfang nahm Mutter Anja das Drängen nicht besonders ernst. Aber als Amelie nicht nachgab, durfte sie mit neun Jahren in den Schulferien zum Bäcker um die Ecke und dort helfen Eier aufzuschlagen. Seitdem hat sie sich schon einige Konditoreien angesehen und mehrere Praktika absolviert. Nicht weil ihre Mutter es wollte, sondern weil es ihr eigener Wunsch war. Für ein Schulprojekt griff sie zum Telefonhörer und rief die damalige Konditorenweltmeisterin aus Deutschland an. Sie wollte ein Backbuch schreiben und holte sich dafür auf eigene Faust die Hilfe der Besten.

So kam es, dass sie schon einige Arbeitgeber kannte und wusste, wo es ihr am besten gefällt, bevor sie ihre Ausbildung zur Konditorin anfing. Dass sie die einzige ihrer Freundinnen war, die nicht auf der Schule blieb, war ein Wermutstropfen. Leicht fiel es Amelie nicht. Die Freundinnen fehlen ihr. Aber natürlich sehen sie sich immer noch. Und Mutter und Tochter sind sich einig: „Du musst machen, was du willst. Nicht das, was alle machen.“

Amelie ist jetzt im ersten Lehrjahr und hat weiter große Ziele.

Irgendwann einmal, wenn sie genug von ihren Vorbildern gelernt hat, will sie sich selbstständig machen. Ein eigenes Café soll es werden, mit hochwertiger Patisserie und wunderschönen Kaffeekannen. Die sammelt sie vorsichtshalber jetzt schon.

Dass Amelie so zielstrebig ist, freut ihre Mutter sichtlich. „Viele Eltern mischen sich einfach zu sehr ein. Das ist ja immer gut gemeint. Aber sie nehmen ihren Kindern oft die Möglichkeit rauszufinden, was ihnen gefällt und welche Talente sie haben. Ob es ein klassischer Beruf oder was ganz Ausgefallenes wird, man muss die Kinder selber abchecken lassen, wo sie hingehen wollen.“

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