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Reportagen und Kurzgeschichten

Die Brauer-Ausbildung

Körperlich anstrengend und eine Arbeit für alle Sinne: Isabella Mereien braut nach ihrer Brauer-Ausbildung im eigenen Betrieb Bier nach alter fränkischer Art.

 

Wenn Isabella Mereien von ihrem Beruf erzählt, gerät sie ins Schwärmen. „Für mich hat Bierbrauen mit Riechen, Schmecken und Hören zu tun“, sagt die Fränkin und ihre Augen leuchten dabei. Sie liebt die verschiedenen Gerüche von Malz und Hefe und schaut oft zu, wie sich die Würze ins Kühlschiff setzt. Ein- bis zweimal pro Woche setzt die 33-Jährige [30.9.84] in ihrer kleinen Brauerei in Memmelsdorf bei Bamberg einen neuen Sud an. Innerhalb von sechs Wochen entsteht daraus Bier nach alter fränkischer Brauart. „Ich bin sehr stolz auf meine Tochter, sie macht einen tollen Job“, sagt ihr Vater Hans-Ludwig Straub, in dessen Brauerei sie gelernt hat. Als inspirierendes Beispiel sind sie deshalb Teil der Kampagne „Ausbildung macht Elternstolz“. Durch sie wollen das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und die bayerischen Handwerkskammern (HWK) Jugendliche und deren Eltern von den Vorteilen einer Ausbildung überzeugen.

 

Mittlerweile hat Vater Straub seine Brauerei an Isabella und ihren Ehemann Markus übergeben, der ebenfalls Braumeister ist. Die beiden haben große Pläne. Bis 2019 wollen sie den Ausstoß der Brauerei auf 1000 Hektoliter jährlich steigern und damit im Vergleich zu 2015 mehr als verdoppeln. Die Brauerei haben sie komplett renoviert und umgebaut. Nur das Prunkstück des Sudhauses blieb unangetastet: Das Kühlschiff, eine Art Kupferwanne, in der die gekochte Würze gekühlt und geklärt wird. Wenige Brauereien bedienen sich noch dieser traditionellen Methode. Sie hat den Vorteil, dass die Aromen damit besser zur Geltung kommen als bei industriellen Verfahren.

 

Im Sudhaus hat sich Isabella schon als Kind gerne aufgehalten. Ihr Vater führte einen Gasthof mit angeschlossener Brauerei, und wenn Hans-Ludwig Straub hier Bier ansetzte, schaute sie oft dabei zu. Trotzdem entschied sie sich zunächst für eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau. Ein Jahr vor dem Abschluss fragte sie ihren Vater, ob er ihr das alte Handwerk beibringen wolle. „Durch die Einblicke, die ich in unserer Brauerei bekommen hatte, fing ich an, beide Berufe miteinander zu vergleichen. Irgendwann wusste ich: Das ist es.“ Die neue Brauer-Ausbildung dauerte von 2005 bis 2007. Im Anschluss besuchte Isabella ein Jahr lang in Gräfelfing bei München die Meisterschule und arbeitete danach mehrere Jahre in zwei Schweizer Brauereien. 2015 kehrte sie nach Bamberg und in den elterlichen Betrieb zurück.

 

Der Lohn der Arbeit: Ein Produkt, das anderen Freude macht

 „Ich habe damals etwas gesucht, das mich ausfüllt und fordert“, sagt sie heute – und fordernd war ihre Ausbildung zur Brauerin. Azubis lernen die Rohstoffe Malz, Hopfen, Wasser und Hefe kennen und experimentieren mit unterschiedlichen Brauverfahren. Um die Maschinen nach den Hygienevorschriften zu reinigen, braucht es chemisches Wissen. Für die Steuerung der Brauprozesse wird Biochemie gelehrt. Die Arbeit ist nicht nur sehr technisch, sondern auch körperlich anstrengend, weil man Malzsäcke schleppen und Bierfässer heben muss. Isabella macht das nichts aus. Sie schätzt an ihrem Beruf, dass sie etwas herstellt, das anderen Freude bereitet.

 

Ihr Vater gibt zu, dass er zunächst davon ausging, dass sein Sohn Lorenz die Brauerei übernehmen würde. „Wie jeder fränkische Braumeister“, sagt er selbstironisch. Doch der Sohn wollte lieber Koch werden. Eine Zeit lang befürchtete Straub, die Brauerei schließen oder verkaufen zu müssen – bis seine Tochter mit dem Wunsch an ihn herantrat, sich in dieser Männerdomäne zu bewähren. „Meine Frau und ich waren überrascht, aber wir haben uns gefreut.“

 

Die Brauerei wird dieses Jahr 760 Hektoliter Bier herstellen. Ein Teil wird in Flaschen abgefüllt und im Supermarkt oder in Craft-Beer-Läden verkauft. Das zweite Standbein ist das Lohnbrauen im Auftrag anderer Gaststätten und Betriebe. Den dritten Teil der Produktion verkauft Isabella nach wie vor als Zapfbier im Gasthaus, das ihre Schwester Lisanna übernommen hat. „Dass meine beiden Mädchen gemeinsam unsere Betriebe weiterführen, macht mich immer wieder stolz und glücklich“, sagt Hans-Ludwig Straub.

 

2017 hat sich Isabella aber vor allem um ihre Tochter Magdalena gekümmert, die im September 2016 geboren wurde. In ihrer Elternzeit packte ihr Vater wieder mit an und abends ihr Ehemann, der bei einem Bamberger Unternehmen für Brauereimaschinen als Projektmanager arbeitet. Zwar kann sie ihnen mittlerweile wieder helfen, weil Magdalena in die Krippe geht, doch die Unterstützung ist von kurzer Dauer. Isabella bekommt bald ihr zweites Kind.