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Reportagen und Kurzgeschichten

Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann: Mein Ziel? Ganz nach oben!

Marco Schneider und seine Mutter Daniela stammen aus einer Familie von Einzelhändlern. Nun macht auch der Sohn bei Danielas Arbeitgeber eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und hat Großes vor.

 

Rothenburg ob der Tauber – „In die Wiege gelegt“: Diese Redensart trifft vermutlich bei wenigen Menschen so zu wie bei Marco Schneider und dem Berufsfeld „Einzelhandel“. Als Kind war er oft im Mineralien- und Edelsteinladen seiner Großeltern und sah ihnen fasziniert beim Verkaufen der schillernden Kostbarkeiten zu. Jahre später waren da die Fahrten mit dem mobilen Marktstand der Familie, bei denen er seine Mutter Daniela (*August 1973) und seinen Onkel gelegentlich begleiten durfte. Mal wurde der Stand in einem Einkaufszentrum aufgestellt, mal in einem Krankenhaus. Marco liebte es, mit den Kunden zu sprechen und strahlte, wenn ihnen die Ware gefiel. „Das war einfach von Anfang an sein Ding“, sagt Daniela Schneider und sieht ihren Sohn liebevoll an.

 

„Genauso empfinde ich es auch“, nickt Marco, inzwischen 24 Jahre alt. „Einzelhandel bedeutet Spaß, Abwechslung und vor allem ganz viel Kontakt mit Menschen. Das begeistert mich.“ Gerade schließt er seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei Kaufland in Rothenburg ob der Tauber ab und hat sich damit sogar den gleichen Arbeitgeber ausgesucht wie seine Mutter. Als inspirierendes Beispiel sind die beiden deshalb Teil der Imagekampagne „Ausbildung macht Elternstolz“, mit der das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und die bayerischen Handwerkskammern (HWK) Jugendliche und deren Eltern von den Vorteilen einer Lehre oder Ausbildung überzeugen wollen.

 

Kleiner Umweg auf der Berufslaufbahn

Allerdings kam Marco nicht gleich auf die Idee mit der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Nach dem Abitur begann er zunächst ein Jura-Studium in Würzburg. „Ich fand die Welt der Anwälte immer faszinierend. Außerdem liebe ich Anzüge“, sagt Marco lachend. Strafrecht hat ihm während seiner zwei Semester an der Uni schon viel Spaß gemacht. Aber irgendwie fehlten ihm die direkten Resultate. Die bekam er bei seinem Studentenjob in einem Discounter, wo man sein Talent schnell erkannt hatte und ihm trotz seines jugendlichen Alters schon viel Verantwortung übertrug. Irgendwann lag sein weiterer Weg für Marco auf der Hand: Hier das Studium, das er sich selbst finanzieren musste. Dort ein Job, der ihm trotz harter Arbeit spielend leichtfiel und in dem er von Anfang an Geld verdiente. 

 

Mutter Daniela, der während Marcos Studienzeit besorgt aufgefallen war, dass ihr Sohn im Studium gar nicht mehr zufrieden gewesen war, warb bei ihm für ihren Arbeitgeber Kaufland und konnte ein Vorstellungsgespräch in der Rothenburger Filiale organisieren. Sie selbst arbeitet in einer nicht weit entfernten Niederlassung. Jetzt, mitten in seiner, wegen der Hochschulreife verkürzten Ausbildung, ist Marco nach Auffassung seiner Mutter „wieder ganz er selbst“. Daniela ist eine zurückhaltende Frau, die in der Nähe ihres redegewandten Sohnes aufblüht - sie ist für ihn Heimat und eine sehr wichtige Ratgeberin. „Wir tauschen uns öfter aus, wie es gerade im Job läuft“, erzählt Daniela. Sie stehen inzwischen auf Augenhöhe. „Das ist ein schönes Gefühl für eine Mama.“

 

Verkaufsgespräche führen will gelernt sein

Gerade hat er in einem eigens gegründeten Team den Umbau des Marktes begleitet. Solche anspruchsvollen Aufgaben – der Verkauf musste während der Renovierung ungestört weiterlaufen – können auch Teil einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann sein. Aber Marco ist auch ins Tagesgeschäft eingebunden, etwa in die so genannte Warenpflege. Dabei kalkuliert er, was und wie viel nachbestellt wird, oder er positioniert Waren und Sonderaufbauten strategisch günstig. Natürlich gehört auch das Bestücken der Regale zu seinem Alltag. „Das mache ich richtig gerne, weil ich dabei am meisten mit den Kunden zu tun habe. Am besten gefällt mir die Vielseitigkeit meiner Aufgaben. Es wird nie langweilig.“ Während seiner Berufsschulblöcke beschäftigt sich Marco dann mit Inhalten wie Rechnungswesen, Lagerwirtschaft, Warenkontrolle oder dem Führen von Verkaufsgesprächen.

 

Wo Marco langfristig hin möchte, ist für ihn klar: „Nach oben. Am liebsten als Filial- oder Ausbildungsleiter. Ich mag es, Verantwortung zu übernehmen und mich zu beweisen. Deshalb finde ich es auch klasse, während meiner Lehre alle Bereiche eines Marktes kennenzulernen – die Personalabteilung wie das Rechnungswesen oder die Tätigkeit an der Kasse. Als Chef muss man ein Gefühl für die Zusammenhänge und das große Ganze bekommen.“ Daniela nickt. Sie kann sich ihren charmanten, eloquenten Sohn sehr gut in einer Führungsposition vorstellen. Umso stolzer ist sie darauf, dass er seinen Traumberuf gerade von der Pike auf lernt. „Dieser zupackende Fleiß und seine Begeisterung machen mir enorme Freude.“