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Reportagen und Kurzgeschichten

Gitarrenbau-Ausbildung: Handarbeit über Generationen

Vater Hermann Hauser und seine Tochter Kathrin bauen Konzertgitarren der Extraklasse

Kathrin Hauser ist in die Fußstapfen ihres Vaters Hermann Hauser getreten – und macht eine Ausbildung im Gitarrenbau. In der Werkstatt der beiden entstehen die vielleicht besten Konzertgitarren der Welt. Vater und Tochter stehen für traditionelles Handwerk in Perfektion und sind Botschafter der Kampagne „Elternstolz“ des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) sowie der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern (HWK).

Ausbildung im Instrumentenbau – Einzigartige Klänge aus eigener Hand

Die Hobelbank stammt noch vom Urgroßvater. Josef Hauser schliff und feilte an ihr vor 140 Jahren das Holz für seine Zithern, Violinen und Gitarren. Heute spannen Kathrin und Hermann Hauser in ihren blauen Arbeitsschürzen an derselben Werkbank Haselfichte oder Tigermahagoni ein. Mit viel Gefühl und jeder Menge Erfahrung, die gerade von der vierten zur fünften Gitarrenbau-Generation weitergegeben wird. Vom Vater zur Tochter.

Damit gelingt dem kleinen Handwerksbetrieb, woran viele Unternehmen scheitern. Im September 2015 waren nach Angaben der Agentur für Arbeit in den bayerischen Betrieben noch 10.737 Lehrstellen frei. Zudem suchen tausende Firmenchefs nach einer guten Lösung für die Betriebsübergabe. Deshalb wollen das Bayerische Wirtschaftsministerium, die BIHK sowie die HWK Jugendliche und deren Eltern mit der Imagekampagne „Elternstolz“ von den Vorteilen einer Lehre oder Ausbildung überzeugen.

Viel Überzeugungsarbeit musste Hermann Hauser nicht leisten. „Der Wunsch, in die Fußstapfen meines Vaters zu treten, stand eigentlich schon lange fest“, erzählt Tochter Kathrin. Bereits als Kind habe ihr der Vater am Arbersee immer die Bäume gezeigt, die sich besonders gut für den Instrumentenbau eignen. „Zu sehen, wie aus einem Stück Holz so ein wunderbares Instrument wird; zu hören, wie es dann im großen Konzertsaal in den Händen eines großen Gitarristen klingt: Das fand ich immer faszinierend.“

Inzwischen verstehen sich die beiden in der Werkstatt blind. „Da geht alles Hand in Hand“, sagt der 58-Jährige. „Jedes Werkzeug hat seinen festen Platz, jeder Arbeitsschritt ist genau geplant. Fehler können wir uns nämlich nicht erlauben.“ Denn das Ergebnis muss perfekt sein. Einzigartig. Eine Hauser-Gitarre eben.

Gitarrenbau in Bayern: Exklusive handgefertigte Stücke

Was für Pianisten der Steinway-Flügel, ist für Konzertgitarristen ein Instrument aus der Werkstatt in Reisbach im Landkreis Dingolfing. Maximal 17 Stück produzieren Vater und Tochter jedes Jahr. Verkaufen könnten sie wesentlich mehr. Sechs Jahre warten Musiker und Sammler, bis sie eine der Gitarren mit dem außergewöhnlichen Klang in den Händen halten. Doch Hermann Hauser behält die Maxime seines Urgroßvaters bei, der das Unternehmen 1875 in München gegründet hat: „Ich stehe für jedes Instrument persönlich ein und will es mit meinen eigenen Händen erschaffen.“ Ohne Maschinen, ohne Zeitdruck. 240 Arbeitsstunden stecken in einem Instrument, von der Auswahl der richtigen Hölzer im Lager bis zum Stimmen der Saiten vergeht ein ganzes Jahr. „Eine Gitarre wächst wie Gras“, sagt der Unternehmer. „So habe ich es von meinem Vater gelernt. Und so lernt es meine Tochter von mir.“

Zu früh wollte er sie nicht auf die Instrumentenbauschule ins 230 Kilometer entfernte Mittenwald schicken. „Er hat mir erst zu einer kaufmännischen Ausbildung geraten“, erzählt die 34-Jährige, die nach dem Abschluss an der Realschule Bürokauffrau lernte. Zwei Jahre lang war sie in dem Beruf tätig. „Aber auf Dauer wäre das nichts für mich gewesen. Mein Platz ist an der Hobelbank, nicht am Schreibtisch.“ 

Trotzdem bildet der erste Beruf noch heute eine gute Basis, wenn es zum Beispiel um den Export der Gitarren oder den Import der Hölzer geht. „Da kannst du noch so ein guter Handwerker sein“, sagt Hermann Hauser. „Ohne eine gute Organisation im Büro funktioniert längst nichts mehr.“

Zudem konnte seine Tochter die 2005 begonnene Ausbildung zur Zupfinstrumentenbauerin um ein Jahr verkürzen. Die theoretischen Grundlagen bekam sie an der staatlichen Instrumentenbauschule vermittelt: Musikgeschichte und Akustik standen ebenso auf dem Stundenplan wie Fachzeichnen und die Grundlagen der Holzbearbeitung. „Aber es geht nun einmal nichts über die Praxis im heimischen Betrieb. Vor allem, wenn man dem Papa schon als Kind beim Raspeln und Schleifen über die Schulter geschaut hat.“

So viel Zeit zum Zuschauen und lernen hatte ihr Vater nicht. Schon in jungen Jahren musste er den Betrieb übernehmen. An seinem Talent bestand kein Zweifel: Hermann Hauser war Innungssieger sowie Landes- und Bundessieger im Musikinstrumentenbau. War er auch ein strenger Lehrer in der Gitarrenbau-Ausbildung? Die Tochter lächelt, der Vater antwortet: „Keine Frage, vom eigenen Kind erwartet man automatisch mehr als vom Lehrling von nebenan. Außerdem soll sie ja einmal den Betreib übernehmen.“

Damit ist der Fortbestand des Familienunternehmens gesichert. „Neben dem Stolz auf die eigene Tochter ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass die Tradition nicht abreißt.“

Dass einer langen Zukunft der Hauser-Gitarren nichts im Wege steht, dafür sorgen Vater und Tochter mit einer eisernen Regel: Jedes verbaute Stück Holz wird doppelt nachgekauft und landet für Jahrzehnte im Lager. Vielleicht spannt es irgendwann einmal Kathrin Hausers Tochter in die alte Hobelbank ein. Die kleine Sophie ist gerade einmal ein paar Monate alt. „Aber sie lächelt schon, wenn sie Gitarrenmusik hört.“

Wir haben die Familie Hauser in Ihrer Werkstatt in Reisbach in Niederbayern besucht. Hier geht es zum Videobeitrag.