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Reportagen und Kurzgeschichten

Was macht man eigentlich als Hotelfachfrau?

Ausbildung, Studium, Führungsposition? Hanna-Elise Feneberg macht’s anders: Vor ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau studierte sie BWL. Jetzt ist sie Mutter und will später das Boutique-Ferienhaus ihrer Eltern übernehmen.

 

Besser hätte es für Hanna-Elise Feneberg nicht laufen können. Nachdem die Oberstdorferin im Juli 2016 ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau beendet hatte, bot ihr Ausbildungsbetrieb, ein exklusives Wohlfühlresort im Allgäu, ihr eine Stelle im hauseigenen Veranstaltungsbüro an. Hier konnte Hanna-Elise eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten. Neben Hochzeiten, Taufen und Geburtstagen organisierte sie größere Events wie eine Wohltätigkeitsgala mit 250 Gästen, bei der auch Rennfahrer der Deutschen Tourenwagen-Masters geladen waren. „Das war natürlich aufregend und genau der Job, den ich mir während meiner Ausbildung gewünscht hatte“, sagt die 27-Jährige [30.8.90].

 

Ein Jahr später zog es Hanna-Elise trotzdem wieder nach Hause zurück. Sie hatte in ihrer Ausbildung und im ersten Job viele wichtige Erfahrungen gesammelt. Jetzt wollte sie sich einen langjährigen Traum erfüllen und bei ihren Eltern mitarbeiten, die in Oberstdorf ein Boutique-Ferienhaus betreiben. Seitdem hat Hanna-Elise unter anderem die Website neu aufgesetzt, eine Facebook-Seite eingerichtet und ihrer Mutter Barbara dabei geholfen, die Inneneinrichtung der Ferienwohnungen aufzufrischen. Ihre Eltern finden, dass Hanna-Elise durch die Ausbildung viel gelernt hat und persönlich gewachsen ist. „Ich bin froh, dass sie gefunden hat, was zu ihr passt“, sagt ihr Vater Peter Feneberg. Gemeinsam engagieren sie sich als Botschafter der Kampagne „Ausbildung macht Elternstolz“, mit der das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und die Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern (HWK) Jugendliche und deren Eltern von den Vorteilen einer Ausbildung überzeugen wollen.

 

Nach dem Bachelor in den Hotelbetrieb

Hanna-Elise hat sich erst spät für eine Ausbildung entschieden. Nach dem Abitur studierte sie zunächst Betriebswirtschaftslehre in München. Weil es ihr Spaß machte, nebenher in der Gastronomie zu jobben und am Wochenende im Ferienhaus der Eltern auszuhelfen, reifte in ihr der Wunsch, im Gastgewerbe zu arbeiten. „Ich wollte meinen Beruf von der Pike auf lernen. Deshalb war die Ausbildung zur Hotelfachfrau der nächste logische Schritt.“ Sie hat die Entscheidung nicht bereut. Nachdem sie ihr Studium 2014 mit dem Bachelor abgeschlossen hatte, stürzte sie sich Mitte 2014 in ihr neues Abenteuer. Was zum Berufsbild Hotelfachfrau gehört? „Ich habe viele Abteilungen durchlaufen und alles kennengelernt, was zu einem Hotelbetrieb gehört.“ Für die Grillstube hat sie Vorspeisen-Salate zubereitet, im Sterne-Restaurant bedient, an der Rezeption Gäste empfangen und als Zimmermädchen die Betten gemacht. Ihre Ausbildungszeit konnte sie um ein Jahr auf zwei Jahre verkürzen.

 

Eigentlich hatten Eltern und Tochter mit dem Gedanken geliebäugelt, dass Hanna-Elise bald die Leitung übernimmt. 2017 wurde sie schwanger und brachte im Oktober ihre Tochter Frida zur Welt. Im Gästehaus ist sie im Moment selten. Mit ihren Eltern tauscht sie sich dennoch regelmäßig über Personal- und sonstige Themen aus. Wichtige Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Wenn Frida in den Kindergarten geht, will Hanna-Elise den alten Plan mit ihrem Lebenspartner Florian Kösel umsetzen, den sie während ihrer Ausbildung kennengelernt hat. Er ist ausgebildeter Koch und studiert derzeit an der Fachhochschule in Graz nachhaltiges Lebensmittelmanagement.

 

An Ideen für das Gästehaus mangelt es den beiden nicht. Hanna-Elise würde gerne Aktivitäten anbieten, die die Kochkunst ihres Partners mit ihrer Begeisterung für Sport verbinden: Yoga Retreats mit leichter, gesunder Verpflegung zum Beispiel oder Bergwanderungen mit anschließendem Abendessen im Gästehaus. Vater Peter kann sich das alles sehr gut vorstellen. Er freut sich, dass seine Tochter fest beabsichtigt, das Gästehaus eines Tages zu übernehmen. „Es macht einen so stolz, wenn ein Kind das weiterführen will, was man aufgebaut hat.“