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Kurzgeschichten

Organisationstalent zwischen Schokohasen

Johannes Brindl steuert betriebliche Abläufe. Das hat er in seiner Ausbildung zum Industriekaufmann von der Pike auf gelernt. Heute arbeitet er im Vertrieb einer Süßwarenfabrik und betreut Produkte von der Idee bis zur Abnahme.

 

Zum Ende seiner Ausbildung war Johannes Brindl für den Auftrag eines Kunden verantwortlich, der eine Charge mit Schokoladenfiguren bestellt hatte. Am Anfang der Fertigungsphase kamen zwei Mitarbeiter ins Landshuter Süßwarenwerk, um das Neuprodukt abzunehmen. Bei den ersten Exemplaren bemängelten die Prüfer den Sitz der Alufolie. Gemeinsam mit dem Produktionsleiter konnte Johannes Brindl das Problem schnell lösen und die Fertigungslinie wurde erfolgreich nachjustiert. Die Abnahme gelang, die Kunden reisten zufrieden ab. „Ich war natürlich unglaublich stolz, dass man mir als Azubi so eine wichtige Aufgabe anvertraute“, sagt der 27-Jährige heute.

Im Januar 2017 hat Johannes Brindl seine Ausbildung zum Industriekaufmann mit sehr großem Erfolg abgeschlossen. Üblicherweise dauert sie drei Jahre. Wegen seiner Hochschulreife und seiner ausgezeichneten Noten wurde sie bei ihm auf zwei Jahre und fünf Monate verkürzt. Für seine Leistungen erhielt er sogar den Bayerischen Staatspreis, der an Absolventen von Berufsschulen, Berufsfachschulen und Wirtschaftsschulen für herausragende Abschlusszeugnisse vergeben wird. Absolviert hat Brindl seine Lehre im Landshuter Werk der Brandt-Gruppe, die für ihren Zwieback bekannt ist. In Niederbayern stellt sie Hohlfiguren, Pralinen und Dragees aus Schokolade als Co-Produzent bekannter Marken und Handelsmarken her. „Die Lebensmittelbranche hat ihn schon immer interessiert“, erzählt seine Mutter Waltraud. „Für uns war es deshalb schön zu sehen, dass Johannes mit seiner Wahl das Richtige gefunden hat.“ Gemeinsam mit ihrem Sohn ist sie Teil der Kampagne „Ausbildung macht Eltern stolz“, mit der das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und die bayerischen Handwerkskammern (HWK) Jugendliche und ihre Eltern von den Vorteilen einer Ausbildung überzeugen wollen.

Lehre statt Lehrveranstaltungen

Zuvor hatte der Deggendorfer angefangen, „Business Administration and Economics“ an der Universität Passau zu studieren. „Schließlich hatte ich das Abitur. Da wollte ich mir die Chance nicht entgehen lassen, ein Studium zu absolvieren.“ Doch obwohl seine Noten stimmten, frustrierten ihn die Lehrveranstaltungen. Sie waren ihm viel zu theoretisch. „Nach langem Überlegen und mit der Unterstützung meiner Eltern habe ich beschlossen, das Studium nach dem vierten Semester abzubrechen.“ Er machte sich auf die Suche nach einer Ausbildung, die seinen Interessen und Stärken entsprach.

Die sieht Johannes Brindl besonders im Organisieren und im Kontakt mit Geschäftskunden. Da er außerdem durch das Studium über ökonomische Grundkenntnisse verfügt, fiel seine Wahl auf einen kaufmännischen Beruf. Bei dieser Ausbildung lernen Azubis, betriebliche und kaufmännische Abläufe in Firmen zu planen, zu steuern und zu überwachen. Johannes Brindl durchlief alle relevanten Abteilungen – Rohstofflager, Personalabteilung, technischer Einkauf und Controlling. „Als Industriekaufmann im Vertrieb stelle ich eine Schnittstelle zu den anderen Abteilungen her. Das ist für mich abwechslungsreich und spannend.“

Vom Auszubildenden zum Projektassistenten

Die letzte Station seiner Ausbildung war gleichzeitig die, die dem jungen Kaufmann am meisten zusagte: Im Vertrieb konnte er mit dem Kunden direkt am Produkt arbeiten und erleben, wie aus der ersten Idee die fertige Ware entsteht. Er macht das so gut, dass seine Chefin ihn nach der Ausbildung als Projektassistent übernahm. „Meine Stelle wurde zusätzlich geschaffen“, sagt Johannes Brindl stolz. Jetzt wickelt er Bestellungen für Bestands- und Neukunden ab, entwickelt innovative Verpackungen oder schreibt Angebote für die Akquise. Seine Arbeit macht ihn zufrieden. „Wenn ich abends nach Hause komme, weiß ich, dass ich etwas geleistet habe.“ Mutter Waltraud ist stolz auf ihren Sohn: „Wir freuen uns immer wieder darüber, dass Johannes in seiner Arbeit aufgeht und eine Firma gefunden hat, in der er sich wohlfühlt.“