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Reportagen und Kurzgeschichten

Endlich angekommen

Wenn David erzählt, hängt ihm sein Vater Josef gespannt an den Lippen. Noch immer fiebert er mit, wenn sein Sohn von seinem beruflichen Werdegang berichtet, auf dem es auch einige Hürden zu überwinden gab.  

Bis zur 10. Klasse ist David auf dem Gymnasium und schlägt sich gerade so durch. Er strengt sich an, nimmt viele Nachhilfestunden. Am Ende hat er das Gefühl, in einer Sackgasse zu stecken, immer öfter schießt ihm ein Gedanke durch den Kopf: „Ich ackere und ackere und es geht nichts weiter. Warum mach’ ich das eigentlich?“Sein Vater Josef wünscht sich währenddessen nichts mehr als dass sein Sohn auf seinem Weg erfolgreich ist. Dass das Gymnasium aber einfach nicht der richtige Weg ist, ist beiden noch nicht klar.  

„Von allen Seiten hörst du halt ständig: ‚Dein Kind muss das Abi haben, damit es die besten Perspektiven hat", sagt Josef, der es selbst immer genauso sah. Bis er davon überzeugt wird, dass man kein Abitur braucht, um glücklich zu sein.

Davids Bruder kommt als erster auf die Idee, dass eine Ausbildung vielleicht viel besser geeignet ist – und soll damit Recht behalten. David beginnt eine Ausbildung zum Hörgeräteakustiker, seine Kollegen nehmen ihn herzlich auf und David fühlt sich wie befreit. Er hat Talent, macht seine Sache sehr gut. Endlich hat er die Erfolgserlebnisse, die ihm gut tun. Josef sagt: „Wir mussten auch erst loslassen können von der Vorstellung, was das Beste für ihn ist. Aber als wir dann gesehen haben, dass David wirklich dahintersteht, haben wir gesagt: ‚Okay, den Weg gehen wir gemeinsam."

Heute kommt Josef ab und zu zufällig am Arbeitsplatz seines Sohnes vorbei und sieht ihn durchs Schaufenster. „Das ist schön zu sehen und es ist ein berührender Moment, es so zu erleben. Man sieht David an, dass er angekommen ist."

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