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Reportagen und Kurzgeschichten

Ausbildung Massschneider: Der Kleider-Schneider

Simon Hüppauff ist Maßschneider für Damenmode, nun will er seinen Meister machen

Kleider machen Leute. Und Simon Hüppauff macht Kleider. Als Maßschneider für Damenmode verfolgt der 20-Jährige ein klares Ziel: „Ich will Klamotten designen. Nach meinen Vorstellungen, in meinem Stil. Und am liebsten unter meinem Namen.“

Dass es bis dahin ein langer Weg in einer hart umkämpften Branche ist, wusste Simon Hüppauff von Anfang an. „Noch dazu, wenn man in der Berufsschule der einzige Junge in einer Mädchenklasse ist.“ Doch gezweifelt an seiner Berufswahl hat er nie. Auch, weil ihn seine Eltern in seinem Wunsch bestärkt haben, Maßschneider zu werden: „Unser Sohn hatte schon immer einen hohen ästhetischen Anspruch und beschäftigte sich gerne mit textilem Material. Wir hätten uns keinen anderen Beruf für ihn vorstellen können.“

Deshalb begrüßen der Architekt und die Diplom-Ingenieurin auch die Kampagne „Elternstolz“ des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) sowie der bayerischen Handwerkskammern (HWK), die sowohl Jugendliche als auch deren Eltern von den Vorteilen einer Handwerkslehre oder Ausbildung überzeugen will.

Simon Hüppauff musste nicht überzeugt werden, er hatte vielmehr die Qual der Wahl. Dank einem Notendurchschnitt von 1,6 standen ihm viele Möglichkeiten offen. Fest stand: „Ich wollte nicht länger in die Schule gehen, sondern unbedingt etwas kreatives machen.“

In seiner Heimatstadt Erlangen fand der junge Mann in einer kleinen Schneiderei einen Ausbildungsplatz zum Maßschneider für Damenmode. „Wir waren nur zu dritt: die Inhaberin, eine Schneidermeisterin und ich. Da kann man sich nicht verstecken.“ Sondern lernt ab dem ersten Tag - und entwirft schon nach wenigen Monaten die erste eigene Hose. „Aus heutiger Sicht war sie eigentlich nichts Besonderes: schräge Taschen vorn, Leistentaschen hinten. Und doch war ich wahnsinnig stolz, als ich sie zum ersten Mal angezogen habe.“

Drei Jahre dauerte die Ausbildung, alle vier Wochen ging es für fünf Tage nach Schweinfurt an die Berufsschule. Im Fachbereich Textil standen unter anderem Maschinenkunde, Stofflehre, Zeichnen und Modegeschichte auf dem Lehrplan. Auch im Betrieb wechselten die Schwerpunkte: Hosen und Röcke im ersten, Blusen und Kleider im zweiten, Jacken und Mäntel im dritten Lehrjahr. Dass er lieber Frauenkleider als Herrenanzüge entwirft, hat einen einfachen Grund: „Frauenmode bietet einfach mehr Vielfalt, mehr Farben und mehr Raum für kreatives Arbeiten.“

Wie viel Talent Simon Hüppauff mitbringt, zeigte sich spätestens, als er 2015 für sein Gesellenstück die beste Note seines Jahrgangs erhielt: Simon Hüppauff hatte ein rosa Etuikleid mit Drei-Viertel-Ärmeln und einem auffallenden Plaid als Umhang entworfen. „Ich habe mich an den 50er und 60er Jahren orientiert. Es war einfach etwas Besonderes.“ Das fanden auch seine Eltern: „Am Abend seiner Freisprechungsfeier sind wir schier geplatzt vor Stolz. Wir haben gesehen, was er mit seinem Talent und seinen handwerklichen Fähigkeiten leisten kann.“

Die erste Station nach dem Ende der Ausbildung führte Simon Hüppauff im Herbst ans Festspielhaus nach Salzburg. Noch bis Mitte August arbeitet er dort in der Schneiderei, ändert Kostüme, näht für die Kulissen. „Das ist eine ganz neue Erfahrung und zugleich eine sehr spannende Zeit.“ Der nächste Schritt: In München will er die Meisterschule besuchen. „Außerdem muss ich mir auch einmal die Zeit nehmen, um für meine Eltern etwas zu schneidern. Die warten schon darauf.“