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Metzgermeister Stefan Wenisch mit Vater Anton
Metzgermeister Stefan Wenisch mit Vater Anton

Reportagen und Kurzgeschichten

Metzgermeister: Das Glück einer guten Weißwurst

Was Metzgermeister Stefan Wenisch an seinem Beruf liebt? Dass er Menschen satt und glücklich macht. Nach Ausbildung und ergänzendem Studium schafft er das heute als Chef eines erfolgreichen Familienbetriebes.

 

Straubing – Nein, „Juniorchef“ kann man Stefan Wenisch eigentlich nicht mehr nennen im Familienbetrieb in Straubing. Nach sieben Jahren Aus- und Fortbildung hat der 25-Jährige seit zwei Jahren mit seinem Bruder das Steuer in der Hand. Zur Metzgerei mit angeschlossener Landwirtschaft gehören ein Vier-Sterne-Hotel, das Erlebnis-Restaurant Toni’s und ein Catering-Service.

In der Metzgerei bleibt Stefan Wenisch den Traditionen treu – und denkt gleichzeitig nach vorne. „Im Moment bin ich dabei, unseren Hauptladen komplett umzubauen. Er soll eine Pilgerstätte für Fleischliebhaber werden. Bei uns wird man transparent miterleben können, wie wir Fleisch zerlegen und Wurst herstellen.“ Mit seinem Bruder und Restaurantleiter Toni, hat Stefan die eigene Fleischmarke „Holy Beef“ entwickelt, bei dem mit schonenden Reifeverfahren und ausgefallenen Zuschnitten ein besonderer Geschmack erreicht wird.

Ganz gleich, was der junge Metzgermeister anpackt: Regelmäßig stellt er fest, wie er von den Chancen und Möglichkeiten profitiert, die ihm seine fundierte Ausbildung bietet. Genau darum geht es in der Kampagne „Ausbildung macht Elternstolz“ des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Industrie- und Handelskammern in Bayern (BIHK) und der bayerischen Handwerkskammern (HWK). Seine Eltern Anton und Waltraud stehen als vertraute Ratgeber hinter ihm, bremsen ihn manchmal, lassen ihn aber auch viel machen. „Wir wissen einfach, wie solide und vielseitig unser Sohn ausgebildet ist“, sagt Vater Anton. „Das ist ein richtig gutes Gefühl.“

Am Anfang seiner Berufslaufbahn kam für Stefan Wenisch eine Lehre in der heimischen Metzgerei nicht in Frage. „Ich wollte sehen, wie es woanders läuft.“ Also ging er nach dem Realschulabschluss in einer Metzgerei in Mallersdorf in die Lehre. Mit großem Erfolg. 2012 gewann er den Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks und wurde „Deutschlands bester Jungmetzger“. Das Medienecho war riesig, sogar die Jugendzeitschrift „Bravo“ widmete ihm eine Doppelseite. „Natürlich ist das ein schöner Titel, der mir auch die Chance gegeben hat, etwas zum positiven Image des Metzgerhandwerks beizutragen. Aber ausruhen kann man sich auf den Lorbeeren nicht.“

Dafür ist Stefan Wenisch auch viel zu ambitioniert. Danach machte er ein Praktikum an der Fleischerschule in Augsburg und arbeitete in der Fleisch- und Wurstproduktion für das Hofbräuhaus München. Dem Meisterkurs folgte die Weiterbildung zum Betriebswirt, dann die zweijährige berufliche Weiterbildung an der Fachschule zum Fleischtechniker. „Obwohl es anstrengend war: Die unterschiedlichen Erfahrungen kann mir keiner mehr nehmen.“

Im Hofbräuhaus zum Beispiel hat er gelernt, wie man jeden Tag die Logistik für 10.000 Besucher organisiert. „An der Fleischerschule konnte ich mein handwerkliches Können in aller Ruhe stärken. Das wäre in der Tagesproduktion mit so viel Präzision gar nicht möglich.“ Seine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse kann Stefan mittlerweile ebenfalls gut einbringen: „Unsere Mitarbeiterzahl ist von 50 auf 130 gestiegen. Das bedeutet, dass wir inzwischen auch Verantwortung an fähiges Management-Personal abgeben müssen.“

Bei allem Wissen und Know-how: Im Arbeitsalltag geht es Stefan Wenisch um die einfachen Freuden und Erfolge. „Ich mache Menschen satt und glücklich mit einer guten Weißwurst oder einem Steak aus eigener Produktion. Das ist das Schönste an meinem Beruf.“